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Wie wollen wir leben?

Prof. Dr. Elke Brendel

16. Januar 2020, 19 Uhr

Haus der Universität, Schadowplatz 14 in 40212 Düsseldorf

Wie wollen wir leben?

Wir alle wollen ein glückliches, gelungenes und erfülltes Leben führen. Doch worin besteht diese Art von gutem Leben? In bestimmten hedonistischen Positionen wird das persönliche Wohlbefinden, wie etwa Empfindungen von Freude und Lust sowie die Abwesenheit von Schmerz, als das wichtigste anzustrebende Glück des Menschen angesehen. Das hedonistische Glück scheint jedoch weder ein Garant noch eine notwendige Bedingung für ein gelungenes Leben zu sein: Manche Menschen fühlen sich trotz eines Überflusses an freudvollen Erfahrungen unglücklich. Andere Menschen fühlen sich trotz eines vorwiegend leidvollen und entbehrungsreichen Lebens glücklich. Wichtig für ein gelungenes Leben ist es offenbar auch, dass wir uns Dingen und Projekten verschreiben, die wir für intrinsisch wertvoll erachten, die uns gleichsam aus- und erfüllen. Zudem sind soziale Kontakte, das Achten und Geachtet-Werden von anderen Menschen wichtige Bausteine für ein sinnerfülltes Leben. In der Philosophie, aber auch in Film und Literatur, wurden zahlreiche Szenarien ersonnen, die u.a. ein weiteres zentrales Kriterium eines erstrebenswerten Lebens aufzeigen sollen, nämlich das der Authentizität des Erlebens. Innere Erlebnisse von Glück, die bloß künstlich erzeugt wurden und nicht mit der Wirklichkeit in Kontakt stehen, können sich noch so freudvoll anfühlen. Ein Leben, das bloß auf simulierten Glücksempfindungen beruht, so die gängige Auffassung, ist für uns nicht erstrebenswert.Doch ist dies wirklich eine allgemein akzeptierte Auffassung? Ziehen wir authentische Erfahrungen einem künstlich, nur vorgetäuschten Glück vor, auch wenn die wirkliche Welt nicht so freudvoll sein sollte?

Gedankenexperiment (vgl. Robert Nozick 1974): Eine „Erlebnismaschine“ kann absolut zuverlässig ihr Gehirn so reizen, dass in ihnen der Eindruck eines Lebens entsteht, das sie schon immer führen wollten. Während Sie an diese Maschine angeschlossen sind, wissen Sie nichts mehr von dieser Maschine. Sie glauben, dass alles das, was sie erfahren, wirklich geschieht. Würden Sie sich an eine solche Maschine anschließen lassen?

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Lebend oder tot?

Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher

31. Oktober 2019, 19 Uhr

Haus der Universität, Schadowplatz 14 in 40212 Düsseldorf

Lebend oder tot?

Seit längerem gilt in der Medizin der so genannte Hirntod als die Grenze zwischen Leben und Tod. Hirntod bedeutet dabei: unwiderruflicher Ausfall der Funktionen des gesamten Gehirns. Ausgefallen sind beim Hirntoten danach nicht nur diejenigen Teile des Gehirns, die es ermöglichen, dass ein Mensch ein Bewusstsein von seiner Umwelt und von sich selbst hat, sondern auch diejenigen, die zentrale Körperfunktionen wie Atmung und Blutkreislauf steuern.Bei einem hirntoten Menschen, dessen Organe transplantiert werden sollen,werden diese Körperfunktionen künstlich aufrechterhalten, um die zu entnehmenden Organe in einem funktionsfähigen Zustand zu erhalten. Ein Beatmungsgerät übernimmt die Steuerungsfunktionen, die beim Lebenden vom Stammhirn, dem ältesten Teil des Gehirns, übernommen werden. Die künstlich stimulierte Atmung bewirkt, dass auch der Blutkreislauf erhalten bleibt, und mit ihm eine Reihe weiterer Körperfunktionen. Nach der „Hirntoddefinition“ sind diese Körperfunktionen für die Frage, ob der Mensch lebt oder tot ist, gleichgültig: Ein Hirntoter ist tot – auch wenn sein Körper (außer seinem Gehirn)dank der Beatmung wie der eines Lebenden anmutet.

Gedankenexperiment: Die Erhaltung und Steuerung der zentralen Körperfunktionen werden bei N. nicht von einem externen Beatmungsgerät, sondern von einer in N.s Körperintegrierten elektronischen „Stammhirnprothese“ übernommen. Lebt N. oder ist er tot?